Ist »Purpose« notwendig, übertrieben oder überflüssig?

Wozu Sensegiving: Ist das überhaupt nötig?

Auch wenn #C noch nicht vorbei ist: Viele Menschen werden müde und mürbe von der öffentlichen Dünnbrettbohrerei zur Pandemie in den vergangenen Monaten. Wie Homeoffice funktioniert, der Nutzen der Digitalisierung und die Wehwehchen beim Dauer-Zoomen haben sich allmählich herumgesprochen, und dass wir trotz allem unbedingt zuversichtlich bleiben müssen, ebenfalls – was genau deshalb niemand jeden Tag erneut hören mag. Mal ganz abgesehen von den Existenz- und Unternehmensrisiken, vor denen viele stehen. Ist es in dieser Stimmungslage angebracht, Fragen nach Bedeutung und Einordnung zu stellen, die Wissenschaften zu bemühen, unser Oberstübchen aufzuräumen? Will das jemand, braucht das jemand?

Antworten auf diese Frage fallen unterschiedlich aus. Die Soziologin Eva Illouz beispielsweise ist der Ansicht, dass die langfristigen Auswirkungen der Pandemie – etwa verhaltensbezogen – davon abhingen, „wie lange das noch dauert, und wie es zu Ende geht“. Wir sind anderer Ansicht. Es ist zwar selbstverständlich nicht egal, wie lange das noch dauert und was uns bis dahin erwartet, aber:  Was diese Pandemie für uns gesellschaftlich und geistig bedeutet, wie wir auf sie zurückblicken werden, hängt nicht von ein paar Monaten ab, die sie länger oder kürzer andauert, sondern davon, wie wir sie einordnen und bewerten.  In Wirtschaft und Management scheint das längst klar: „Guten Mutes voran!“ – so lautet die omnipräsente Devise, denn die Leute müssen schließlich handlungsfähig bleiben. Das funktioniert bislang gut: Der Westen vermag sich geistig zu bescheiden, darin ist er inzwischen Weltmeister. Optimismus versus Pessimismus, mehr gesundheitliche Sicherheit oder mehr individuelle Freiheit, das sind im Wesentlichen die Messlatten, nach denen hierzulande »bewältigt« wird. Und darauf hoffen, dass es nicht zu lange dauert und halbwegs akzeptabel endet. – Endet? 

Ist diese Wertung sinnvoll? Und reicht das?

 Längst nicht mehr allen,  das zumindest ist klar; und diese Gruppe wächst. Denn was wir ja auch tun könnten: Anfangen, dasjenige genauer unter die Lupe zu nehmen, was unser Fundament derzeit so erschüttert. Ohne Corona bagatellisieren zu wollen: Dieses Virus ist nicht die Pest, schließlich werden nicht im Handumdrehen Landstriche entvölkert. Also: Worum geht es hier eigentlich? Was genau rührt an unsere Selbstverständlichkeiten, an das, was wir – bisher fraglos, das heißt bewusstlos – geglaubt haben? Diese Pandemie legt uns das vor Augen und öffnet unser Visier. Seit 2000 Jahren könnten wir solche Fragen zum ersten Mal nicht mehr nur exegetisch bearbeiten (was hat Gott mit uns vor?), sondern explorativ: Herausfinden, was  wir gesellschaftlich aus dem Erlebten machen wollen.

Das ist anstrengend. Denn es gibt heute keinen mehr, den wir fragen können. Und einige meinen deshalb, dass die Frage als solche überflüssig geworden sei.
Ein Kurzschluss – akademisch aufgeplustert: Ein „Bias“.

Die Position unseres Blogs: Es sieht ganz danach aus, dass wir in die ungeheurerliche Situation geraten, unsere geistige Orientierung über das Hier und Jetzt hinaus fortan selber festlegen zu dürfen, zu können – und zu müssen. Denn wenn wir das nicht tun, tut es keiner, und dann haben wir keine.  Deshalb  ist Purpose wichtig, vielleicht existenziell. Nach der Pest, und auch nach der Spanischen Grippe, war ein solcher Antritt gesellschaftlich noch nicht denkbar. Heute ist er das und markiert eine Zeitenwende. Sie betrifft alle, auch Unternehmen, Mitarbeitende, Kunden.

Wir schreiben sie hier herbei. Um ihretwillen inszenieren wir #C als Mephisto-Effekt: Als jene „Kraft, / Die stets das Böse will und stets das Gute schafft“. Als Sensegiving, zwei Mal die Woche.

Next Sensegiving:
Status quo-Bewertung. Wo stehen wir gerade (im Vorfrühling ’21)?

Deep Futures on the way

#C Bedeutung geben

Zum Sensegiving-Blog

Informationen zum Anmeldeverfahren, Versanddienstleister (europäisch), statistische Auswertung und Widerruf unter Datenschutz. Durch die Anmeldung erklären Sie sich mit der statistischen Erfassung Ihrer Daten einverstanden. Zum Impressum