Wo stehen wir gerade (im Vorfrühling 2021)?

Status quo-Bestimmung

Im Vorfrühling ’21 ziehen wir die Köpfe ein. Die Situation ist weiter ungewiss, der Ausstieg aus der Pandemie zieht sich. In unserer jüngsten Geschichte gab es – dicht getaktet – gleich mehrere solcher  unerwarteten Störfälle, Schwarzen Schwäne, die das Label „Zeitenwende“ verdient hätten: 9/11, Finanzmarkt- und Euro-Krise, die Zuspitzung der Flüchtlingssituation in Richtung Europa, Fukushima nebst Energiewende. Jetzt also eine Pandemie – und besser wird’s nicht, die Expert:innen sind sich darin einig. Solche Ereignisse würden nicht ab-, sondern zunehmen. Der Grund: Komplexe Abhängigkeiten unübersichtlich vieler Faktoren in einer sich globalisierenden Welt, die ökologisch kippt.

Die zukunftsforscherische Szene-Debatte, ob es hier nicht eigentlich um einen Weißen Schwan ginge (weil Pandemie-Szenarien in mehreren Sektoren vorlagen, in jedem Fall auf Regierungsebene), ist rein akademisch. Zukunftsvorbereitung gibt es heute eigentlich immer, auch professionelle, bloß wird sie deshalb nicht unbedingt auch ernstgenommen. (Der regionale Dilettantismus in Fukushima im Umgang mit „Menschenmaterial“ zur Geländekontrolle am AKW war ein grausames, aber eindrückliches Beispiel und eines Hochtechnologie-Landes unwürdig.) In jedem Fall: Das gesellschaftliche Empfinden, dass solche Ereignisse in dieser Taktung und Tiefe »nicht normal« sind, ist ausgeprägt und überall wahrnehmbar. Niemand kann Ursachen, Quellen oder die Richtung, die diese Entwicklung nimmt, genauer qualifizieren – sowohl zurück als auch nach vorn sind wir blind. Die offen liegende Kernfrage ist daher nicht die nach objektiver Wahrheit („was passiert real und faktisch?“ -> Verbesserung der Prognosen), sondern diejenige nach einem Hintergrund. Nach Treibern und Unterströmungen, die solche Geschehnisse produzieren und vor sich herspülen.  Ist so etwas irgendwie konsequent, »purpose driven«? 

Das einzige, was dazu bisher gut funktioniert, ist ein flottes Labelling aus Presse und Expertentum. „VUCA“ etwa ist im Angebot, so sei die heutige Welt eben, volatil, ungewiss und hoch dynamisch, aber solche Akronyme sind kurzlebig, das nächste steht schon vor der Tür. Dicht darauf folgt Globalisierung (diskutiert wird, sie zurückzufahren), Komplexität als solche (alles nicht mehr durchschaubar), von postfaktischen Verhältnissen bzw. einem Verfall von Meinungs-, Führungs-, Wahrheitskultur ist die Rede. Dagegen hülfen Zahlen-Daten-Fakten, schallt es aus den akademischen Elfenbeintürmen und Redaktionen der Leitmedien. Deren Rhythmus nimmt denn auch stetig zu, im Staccato gibt’s neue Zahlen zu Allem und Jedem, die sich jedoch nicht selten widersprechen – was wiederum nicht an den Messenden, sondern am Kontext liegt: Die Zahl möglicher Perspektiven ist unendlich. Mit Gleichzeitigkeiten bzw. mehrwertigen Logiken hat jedoch weder die Wissenschaft, noch die Gesellschaft bisher umgehen gelernt. Traditionellerweise messen wir Wahrheit an Dingen, Sachen, Phänomenen – nicht an Bedingungen, Voraussetzungen, situativen Variablen. Und kognitive Verzerrungen („Bias-Forschung“) sind in der Ergebnisinterpretation noch fast gar nicht eingepreist, alles Zukunftswissenschaft.

Wirken dann diese Rezepte („Wahrheit“, „Zahlen-Daten-Fakten“)?

Rhetorische Frage. Und ab hier wird’s still.

 Wir dilettieren mit denjenigen Mitteln aus Vor-VUCA-Zeiten, die wir nur haben, an einem Problem herum, dessen Fundament und Wirkung wir nicht ansatzweise verstehen.  Auch für Unternehmen ist diese Situation ein Desaster, denn sie bedeutet übersetzt, dass von vornherein klar ist, dass unsere Mittel zur Planung womöglich das Schlimmste verhindern können, als solche aber gar nicht mehr greifen. In der Stille dieser Ratlosigkeit stehen wir gerade, das ist der Status quo. Wir halten den Atem an und starren auf die aktuellste Statistik. Die Hoffnung: Schweigen hilft, und irgendwann ist es vorbei. Nun wollen wir hier im Blog keinen Krach schlagen, sondern – im Gegenteil – in diese Stille hineinhorchen, ob sich da nicht doch etwas tut. Ob etwas lebt. Und tatsächlich: Im geistig-geistlichen Mikrobereich gibt es Bewegung! Hier ist unser Biotop, in dem wir Sinn neuen Raum geben. Das leuchten wir aus. Gibt es erste Anzeichen für eine andere Planung? Und warum interessiert sich kaum jemand dafür?

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