Zwischenbilanz II: Wie haben wir #C bisher verkraftet?

Teil II / III. Heute: Prävention und Lernen

Wie wir die Krise verkraften, hängt auch an Moral. Das hört sich erst einmal seltsam an.

Eine erfolgsabhängige Wachstumsgesellschaft ist darauf angewiesen, dass sie Katastrophen wie Pandemien verhindert – also in den künftigen Entwicklungspfad mit einpreist. Dass sie lernt. Wer dabei auch noch tiefgreifende Lebenserfahrungen sammelt – wie schön, herzlichen Glückwunsch, aber darauf kommt es nicht an. Worauf es ankommt ist vielmehr, dass wir Krisen so, wie wir es grundsätzlich auch mit Natur und Welt tun, um Willen der Prävention ausbeuten. Das ist die Kehrseite aus derjenigen Rezeptur, der wir uns in unserem letzten Beitrag gewidmet haben: Wir müssen aus Krisen „Honig saugen“ – bei Strafe sich aufschaukelnder Dynamiken, eines »Noch Schlimmer«. Optimismus und neu Durchstarten allein reichen dafür nicht aus; etwa,

  • was künftige, bessere Krisenvorsorge anbelangt, zum Beispiel mit einem schleunigst aufzurüstenden Gesundheitssystem,
  • was individuelle Lernkurven betrifft („was nehme ich aus der sozialen Pandemie-Erfahrung mit?“). Dabei geht es um Tools aus der Lebensführung unter #C, die sich als hilfreich erwiesen haben und über potenzielle nächste Krisen hinweghelfen könnten (von der Meditations-App bis zu „Zoom selbstverständlich auch für private Treffen nutzen“),
  • und auch, was das öffentliche Reglement angeht; also diejenigen handelnden Akteure, die die Chose politisch im Griff behalten müssen (Lenkung öffentlicher Aufmerksamkeit und Kommunikation). Da gab es unter #C bekanntlich Luft nach oben.

All das ist überlebenswichtig, neben einem stabilen, energiespendenden Grundoptimismus – und dieser Blick zwingt dazu, andere Erschütterungen in die hintere Reihe zu verbannen. Inmitten einer Krise zählen gerade nicht das Soziale, die seelischen Kollateralschäden zwischenmenschlicher Art, die geistig-biologische Seite, unsere Müdigkeit und Entnervtheit vom Krisenmanagement-Hin-und-Her. Zivilisatorisch sind wir über diese genuin menschliche Dimension längst hinaus. Zwar lässt sie sich nicht ganz abdimmen, schließlich zeitigen solche Schäden ja auch Kosten, zum Beispiel psychische. Aber sie kann instrumentell eingetütet werden, Purpose, Leute! Wenn man diese Ebene gänzlich ignoriert, werden die Menschen hernach noch sauer, es gab schließlich Tote. Das ist in etwa so wie bei Pestiziden und giftigem Düngemitteleinsatz – so etwas ist schlecht, böse, steht für bedauernswerte Nebenwirkungen einer effizienzgetriebenen Landwirtschaft. Massentierhaltung: betriebswirtschaftliche Unvermeidbarkeiten, der Konsument will billiges Fleisch, aber gut ist es natürlich nicht! Co2-Emmissionen – nonintended byproducts. Kinderarbeit und Ausbeutung in anderen Ländern – globalisierungsbedingte Systemeffekte, wir arbeiten daran.

Das Praktische an Moral

Solche Themen sind moralische Themen. Und das heißt, sie sind etwas anderes. Wir können Ethikkommissionen einrichten, Normen aufstellen und Sanktionen verhängen, Gesetze erlassen – wir tun ´was! Das wird auch nach Corona passieren, unser System hat schließlich viele Schwächen! Es herrscht traute Einigkeit darüber, dass Themen dieses Kalibers wichtiger werden, dass man sie keinesfalls mehr ignorieren kann (Jahrzehnte lang ging das), aber sie sind und bleiben doch: etwas anderes, ein Add on. Jetzt also auch noch Moral – das ist der Grund, warum viele Menschen das Purpose-Gerede überhören, es nicht ernst nehmen – warum es nervt.  Viele spüren den Fake. Was dabei hintergründig jedoch eigentlich nervt: Es passiert bei all dem Gerede kaum etwas! Die Verschiebung eines biologischen Problems in die Moral erlaubt die Aufrechterhaltung des Status quo, etwa gemäß der alten Devise: First things first. Die Empfindsameren unter uns können ja mit Purpose ruhig schon mal anfangen (für sie stellt der Bundespräsident eine Kerze ins Fenster.)

Auch unter diesen Maßstäben sind wir ganz gut durch #C gekommen: Über den »Next Lebenssinn« wird längst debattiert, die Lernkurve ist belegbar (im ökonomischen Diskurs unter »New Normal«). Was die Krise mit den Menschen in ihr angerichtet hat, ein echtes Interesse an uns selbst, ist dabei kein Thema. Wie ist das nun mit den Firmen: Können sie sich einen schlanken Fuß machen bei diesen Fragen? Nehmen wir Aktienkurse und Klima-Indizes als Indikatoren hinzu, könnte die Stimmung sehr viel schlechter sein: Derzeit gibt’s scheinbar kaum Handlungsdruck.

Next Sensegiving: Oder doch? Sind das überhaupt Wirtschaftsthemen? Müssen sich Unternehmen um solche Fragen kümmern?

Deep Futures on the way

#C Bedeutung geben

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