Zwischenbilanz III: Wie haben wir #C bisher verkraftet?

Teil III / III. Gab es eine Art Rezeptur für unseren Ritt durch die #C-Zeit? Und wie lautet diese?

Mit festem Blick auf das Notwendige und Konkrete sind wir leidlich gut durch die Pandemie gekommen. Derlei lässt sich ja immer nur relativ bewerten – im Vergleich zu anderen. Gibt es für diesen »Erfolg« ein Rezept?

Wir haben im letzten Artikel bereits angedeutet, dass öffentlich inszenierte Moral – Dank an Pflegekräfte mit Beifall vom Balkon, Finanzhilfe für Bedürftige und kontinuierliche Berichterstattung über die anderen, denen es häufig schlechter ging – ein essentieller Bestandteil unserer Verfahrensweise ist. Das geht aber noch genauer.

Dazu trenne drei Dinge:

 Die moderne, soziale Praxis (Wirtschaft, Gesellschaft, Politik usw.) – Moral – Biologie. 

Diese Dinge sind unabhängig voneinander. Ihre Gewichtung lässt sich verändern, Gesellschaften können zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Schwerpunkte setzen – so ähnlich wie bei einem Rechenschieber. Mal ist Rot wichtiger, mal Blau, man schiebt hin und her. Prinzipiell haben diese Ingredienzen jedoch – im Gegensatz zu früher – nichts mehr miteinander zu tun.  Sie sind säkulare Tools, aus ihnen macht man zum Beispiel einen Purpose. Und mit ihnen haben wir die #C-Zeit geschafft, dieses relationale Tikitaka ist die Rezeptur.

  1. Soziale Praxen stehen immens unter Druck. Ökologie und soziale Verantwortung sind ein gravierendes moralisches Problem (kein biologisches), für das ethische Standards entwickelt werden müssen. Wir sind da dran, schaffen Puffer für überbordende Geltungsansprüche etwa wirtschaftlicher Akteure: Korrupte Firmen oder solche, die keine Steuern zahlen, Parlamentarier, die an der Pandemie verdienen, oder allzu offensichtliche unternehmerische Gelddruckmaschinerien. Kinderarbeit zum Beispiel geht gar nicht, schon aus Menschenrechtsgründen. Massentierhaltung darf keine Tierquälerei sein (aber wann genau beginnt Tierquälerei?).  Rezept: Grenzwerte festschreiben, Schwellenwerte kalibrieren und – möglichst rechtlich bindend – sanktionieren. Das reicht. Jeder weiß, was er zu tun hat, auf die Plätze – fertig – los.
  2. Moral ist ein weites Feld, anstrengend und schwer zu kontrollieren. Es spielt in (1) hinein, bloß: Wenn deren Thematisierung erst einreißt, wird es schwer – wir müssen aufpassen. Von „Querdenkern“ und Systemverächtern über nervige politische Korrektheitswächter bis hin zu liberal inszenierten Laissez faire-Positionen haben wir aktuell eine dichte Angebotspalette, moralisch sind alle. Lerne: Moral sollte nicht zu hoch gekocht werden, denn hier lauern Manipulationsrisiken, Radikalismen, Verzettelungsspiralen. Wenn wir hier zu viel tun, binden wir uns – beispielsweise technologisch womöglich die Hände. KI-Ethik etwa ist wichtig, aber wir müssen auch handlungsfähig bleiben. –  Rezept: Moralisch auf Sicht fahren. Im Abgleich zu (1): Wir versuchen die Ökologiefrage ganz erwachsen, reflektiert, rational, verhältnismäßig, in handlungsverträglichen Proportionen ruhig, Stück für Stück, anzugehen. Gretas „How dare you!“ war medienwirksam, polit-intelligent war es nicht. Vor allem aber ist es gesellschaftlich gar nicht praktikabel: Moral muss an unsere Handlungen erst einmal angebunden werden (Rechenschieber). Sie ist ein hochmodernes Add-on, eine zivilisationsbedingte Zusatzqualifikation menschlichen Handelns, der wir uns nun – im Gegensatz zu früher, wo es noch kein Ökologieproblem gab – annehmen müssen. Moral ist nicht etwa von vornherein »integriert« in menschliches Tun. Und die durch diesen unsichtbaren Schachzug erforderliche Anbindung, die nächste zivilisatorische Aufstufung menschlichen Handelns als jetzt auch noch moralisch anspruchsvoll, geht nun einmal nicht spontan und sofort. Dazu braucht es Verstand, viele Experten, Kommissionen, Wissenschaft, Diskurs – Zeit. Und Geld. Gemach.
  3. Und Biologie? Was sollen wir damit?
    Eigentlich ist ja sie das Problem (zumindest beim Thema Ökologie könnte uns das dämmern). Aus vielerlei Gründen ist sie jedoch die, deren Name nicht genannt werden darf. Menschen sind krank, leiden, sterben, das Leben ist kurz, wir müssen hungern und dürsten. Und zwischendurch kriegen wir Corona. Postmodern mit Kant gefragt: Können wir das wollen? Unsere Antwort im frühen 21. Jh. ist längst formuliert: Natürlich nicht – wer will das schon?  In diesem Feld liegt ganz bestimmt kein menschliches Glück, hier liegt die Baustelle! Weg damit – vielleicht ist Unsterblichkeit ja etwas hoch gegriffen, aber die Richtung ist klar. Rezeptur Ende.  Aber Vorsicht dabei! Nicht zu forsch, eher im Vorbeigehen, langsam, bedacht, beharrlich, ohne großes Aufsehen. Dass eine Gattung sich selbst zurückbaut, hatten wir bisher noch nicht, niemand weiß, ob das funktioniert, Leisetreterei ist also geboten. Gott-sei-Dank sind die Kirchen längst eingedöst (oder wechseln den Fokus auf Selbstreferenz und -beschäftigung), es bekommt also sowieso keiner mit.

Wir müssen das Desaster hier nicht vertiefen. Ökologiewende, wir kommen!

Geht das auch anders? Machen Unternehmen, die ins bioökonomische Paradigma wollen, das mit? Sehen so Sieger aus?

Next sensegiving: Blick in die Firmen. Humane Best Practices in Unternehmen

Deep Futures on the way

#C Bedeutung geben

Zum Sensegiving-Blog

Informationen zum Anmeldeverfahren, Versanddienstleister (europäisch), statistische Auswertung und Widerruf unter Datenschutz. Durch die Anmeldung erklären Sie sich mit der statistischen Erfassung Ihrer Daten einverstanden. Zum Impressum