Kleine Reihe Unternehmenstipps: Purpose & Arbeitszeit

Wirtschaftlich: Was »ist« Zeit?
Unsere westliche Kultur hat ein lineares Zeitkonzept, jeder kennt es. Zum einen haben wir die Uhr erfunden, die misst jede Sekunde und zählt den Tag herunter. Und zum anderen kann man diese Linie aufzeichnen: Von heute aus zurück nach Gestern oder nach vorn ins Morgen. Diese „Spartialisierung“ von Zeit – ihre Aufteilung, Zergliederung, dass wir quasi Schnitte für Schnitte von ihr abschneiden, definieren, projektieren, etwa als Aufgabe oder Projektauftrag vergeben – ergibt sich logisch aus unserem Zeitverständnis. Wir müssen ja schließlich die Tageslinie füllen, den Sekunden etwas zuordnen. Jede*r hat das eigene Tagespensum möglichst produktiv (effektiv und effizient) zu füllen. Das Ideal: Carpe diem. Nutze jede Sekunde, am besten optimal. Produktivität bedeutet, möglichst viel qualitativ hochwertig mit geringem Aufwand zu erledigen.

Menschen, die herumhängen und nichts tun, verschwenden ihre Zeit, praktisch ihr Leben. Ein solches Leben ist sinnlos, man bekommt nichts auf die Kette, erledigt nichts, schafft nichts. Produktiv sein in so einem Lebensrahmen ist nicht denkmöglich, ein Widerspruch in sich. Man ist nutzlos, ohne Antrieb, es gibt ja auch nichts, was man tun könnte. Die Tageslinie ist nicht definiert; übersetzt: Es gibt keine Vorfestlegung. Da liegt nichts offen, vor dem jemand die Ärmel hochkrempeln und sich engagiert daranmachen könnte, es anzupacken.

Das geht auch anders.

Kaum vorstellbar, aber: Es gibt Kulturen, in denen Menschen selber festlegen, wie sie die Tageslinie füllen, und das auch noch gut finden! Crazy. (Auch, wenn es stark verdeckt ist: Das war in früheren Zeiten der Stachel von Karl Marx.) Sie kämen gar nicht auf die Idee, unglücklich darüber zu sein, dass ihnen die Struktur nicht vorgegeben ist – denn dafür, diese Struktur selber zu gestalten, sie reich zu füllen, sind sie ja da. Dafür leben sie!

Tipp

Scheinbar abstrakte und komplexe Themen sind das, die wir hier ansprechen – tatsächlich aber von durchschlagender Bedeutung für die Arbeitswirklichkeit in unseren Firmen. Denn an solchen unterschiedlichen Zeitregimen hängt unsere Grundmotivation, überhaupt ins Handeln zu kommen. Was sich daher lohnt: Zwischen unterschiedlichen Grundmotivationen – und damit Leistungsmotivationen – zu unterscheiden. Gleichen Sie das, was Sie als Führungskraft unter Zeit verstehen, mit dem ab, was die anderen darunter verstehen.

Häufig sind die Kriterien der Chefs nicht diejenigen der Mitarbeiter. Es kann sein, dass der Chef eine Pflegekraft für ihr anpackende, effektive und effiziente Tatkraft lobt und belohnt. Gleichzeitig kann es aber sein, dass diese Pflegekraft ihre Arbeitsmotivation daraus zieht, eine Familie in einer schwierigen Corona-Situation in eine gute Richtung zu bewegen, auch, wenn sie die zugewiesene Fallzeit überschreitet. Und: Anerkennung erhält sie von ihren Kollegen genau dafür, nicht für ihre Macherqualitäten. Genau dieser Konflikt bringt Ihnen als Führungskraft Ihr unternehmensbezogenes Zeitregime ins Wanken: Sie belohnen ein Modell, das die Mitarbeiter gar nicht leben – und merken es noch nicht einmal. Da denken sich manche: Da hilft doch Controlling…!

Wirklich?

Es ist Ihre Firma.

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