Bilanz unseres Purpose-Blogs

Ein ach so säkulares Land…

Das amerikanische Pew Research Center vermisst es seit vielen Jahren: Deutschland ist das säkularste Land der Welt. Auch uns betreffen Fragen nach Sinn und Orientierung, aber eben dezidiert säkular. Auf Corona mit geistig anspruchsvolleren Impulsen zu reagieren, ist hierzulande vor allem eines: riskant. Ein Harakiri-Manöver, zumal in der Wirtschaft. »Management« hat die Dinge im Griff, seltener im Kopf.

Wir haben in unserem Blog über einige Monate die geistige Situation der Corona-Zeit gescannt. Wo und wie werden Sinnfragen hierzulande gestellt, was für Antworten gibt es, hinter welchen Themen verbergen sich (häufig überraschenderweise) tiefer liegende Purpose-Fragen, wie lauten die Pro- und Con-Argumente, welche Methoden und Tricks werden verwendet und wie lässt sich all dies bewerten?

Learnings
Was sich zeigt: wie spirituell ausgenüchtert oder entkernt Europäer sind. Wie neurotisch dieses Gelände umgangen wird. Es zeigt eine ganz bestimmte Armseligkeit und geistige Lethargie: Europa ist, im Vergleich zu Asien und insbesondere Kalifornien (den zivilreligiösen USA ganz prinzipiell) spirituell tot. Die Purpose-Debatte ist ein präziser Spiegel dieses Phänomens: Das Thema ploppt in einer Pandemie schon mal hoch, wird aber umgehend analytisch zersetzt. Das christliche Europa mit seiner zweitausendjährigen Tradition, üppiger Geistes-, Literatur-, Kunstgeschichte und einem elaborierten religiösen Deutungsspektrum macht uns stolz – und das reicht. Jeder, der mal durch Malaysia oder Indien gereist oder mit einem Captain of Moonshot im Valley geredet hat, weiß: Da draußen geht es geistig sehr anders zu. Die Welt ist spirituell zerklüftet, und diese Dissoziation nimmt zu. Wir leben in Zonen extrem unterschiedlicher geistiger Anspruchsniveaus, und der verkarstete europäische Westen steht dabei zur Zeit ganz unten. Das lässt uns bei Purpose-Fragen reflexhaft auf Esoterik schließen und lieber umgehend das alte Raster weiterbedienen: Numbers matter. Mit KPI’s kann man nicht viel falsch machen, und man blamiert sich nicht.

Das stimmt ganz sicher. Was wir indes noch nicht so genau wissen, ist, ob den Menschen nach der Pandemie diese geistige Abstinenz weiterhin ausreicht. Niemand vermag derzeit zu sagen, ob sich hier etwas bewegt.

Was ist zu tun?
Wir hatten eingangs in Sachen Purpose nach der Schnittstelle von Gesellschaft und Unternehmen gefragt. Wo genau liegt das geistig-mentale Problem, das die Pandemie anstrahlt, und was können Akteure in der Wirtschaft jetzt – sinnvoll – tun? Unsere Antwort nach diesen Wochen:

  • Inzwischen empirisch gut belegt: Unser Kernproblem liegt in Denk-, Sozialisations- und Führungstraditionen, die unvermindert weiterlaufen. (Wir hatten uns beispielsweise unseren Nachwuchs angesehen: Wie reagieren Kinder auf humane Wertfragen? Da können wir quasi rück-erahnen, wie unsere Gattungstypik mal aussah.)
  • Unternehmen: Achtet auf das, was heute »Mindset« genannt wird! Der Trend (d.h. die Fortsetzung des Jahrtausende alten ökonomischen Denkens) geht in Richtung Expertentum, Spezialisierung, Spartialisierung, Differenzierung, Technologisierung – also soziale Dissoziation. Controlling goes Big Data, IT goes AI, Compliance und gute Kommunikation goes Tracking… Selbstverständlich, das »geht« alles. Aber geht es unseren Unternehmen damit gut? Macht das Firmen resilient? Resonant für die Stakeholder? Zukunftsrobust? Ökologisch? Human?

Jede Firma muss ihre eigene Antwort finden.
Lesen Sie uns gerne wieder beim nächsten Themen-Blog. Wir machen jetzt erst mal ein paar Wochen Pause.

Ihnen stets gute Sicht nach vorn!

Deep Futures on the way

#C Bedeutung geben

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