CYOD: Control Your Own Dashboard

Grundidee

 

Der Datensammelei vieler Unternehmen könne dadurch Einhalt geboten werden, dass jede und jeder einen Datensammelpunkt erhält, von dem aus sich

 

Der Hub enthält alle Angaben über eine Person (Mobilität, Konsum, Gesundheit, Bankkonten etc.). Wenn ein Unternehmen Daten haben möchte, um zum Beispiel eine Innovation zu entwickeln, die dieser Person gefallen könnte, kann man den Zugriff gestatten – oder auch nicht. Man gewinne so die Hoheit über seine eigenen Daten zurück, heißt es. Der Erfinder, MIT-Verhaltensökonom und Google-Berater Sandy Pentland nennt das ganz unbescheiden New Deal on Data.

 

Zentrale Frage…

 

… für Pentland ist: Haben Menschen ein Verfügungsrecht über ihre Daten? Darauf gibt der New Deal eine eindeutige Antwort: „Ja“. Bloß sehen die wohl meisten Menschen das keineswegs als ihre zentrale Frage an, sondern wollen vielmehr wissen, was Unternehmen mit den gesammelten Daten eigentlich machen: Wozu Daten genutzt werden, ob dies vom Datenschutz gedeckt ist und ob Verstöße dagegen überhaupt eine Chance haben, entdeckt zu werden. Davon allerdings findet sich im New Deal kein Wort. Weder wird Auskunft über die Datenverarbeitung von Unternehmen gegeben, noch werden irgendwelche Versprechungen getätigt, dass sich Betriebe an Recht und Gesetz halten müssten oder wollten, verantwortlich mit Daten umgingen oder bestimmte Praktiken nicht einsetzen würden.

 

In Anbetracht eines extrem komprimierten Arbeitslebens drängt es die Meisten nicht dazu, nun auch noch einen privaten Daten-Hub zu verwalten und sich mit – vermutlich – zahlreichen Unternehmensanfragen zu Datenfreigaben herumschlagen zu müssen. Wie praktisch auch, dass diese Organisation jeder selbst übernehmen soll und keine institutionelle Stelle; kostenfreier Service vom datenbesorgten Kunden, eine feine Sache. Unterstellt wird, dass der Speicherplatz dieser Daten (in einer Dichte und Qualität, für die es bislang keinen Vergleich gibt) absolut sicher ist. Zwar verweisen alle Experten darauf, dass sich in Sachen Datenspeicherung nie ein völlig sicherer Speicherort entwickeln ließe; aber im Fall des Own Dashboard werde man sich besondere Mühe geben. Kein Wort auch zu der nicht trivialen Frage, was mit Daten geschieht, die bilateral einem Unternehmen freigegeben werden. Damit sind sie ‚draußen’ – ohne dass die künftigen Damen und ‚Herren über ihre Daten’ eine Chance hätten nachzuverfolgen, was dieses Unternehmen mit den Daten dann macht (sie wie nutzt, sie wohin weitergibt, sie womöglich verkauft o.Ä.). Aber es gibt ja AGB’s, da kann man das sicher regeln.

Ganz viele zentrale Fragen

 

Die standing ovations zu diesem bemerkenswerten Brainwashing schwellen derzeit aus allen Richtungen an, Prinzip Dominoeffekt. Gerade platzt ein Buch herein von Andreas Weigend, ehemals Datenwissenschaftler bei Amazon, Data for the People: Die Bürger als Souveräne über ‚ihre’ Algorithmen – hört sich auf jeden Fall gut an! Die Leitmedien jedenfalls sind begeistert: „Leserlich, faktenreich, wissenschaftlich“. Na dann.

 

Manchmal fragen wir uns, ob Mitdenken nur eine vorübergehende Laune der Evolution war…