Inno-Labs halten nicht, was sie versprechen

Dass es mit der Innovationskraft europäischer Unternehmen nicht zum Besten steht, wird schon länger diskutiert (Innovation Survey u.a.). Aber passiert inzwischen nicht auch einiges? Ein Trend dabei sind sogenannte Inno-Labs: Innovationscenter, oft direkt neben der Konzernzentrale positioniert („unbürokratischer Draht nach oben“), in denen Mitarbeiter ausgiebig kreativ sein dürfen. Ohne Vorgabe, ohne Limit, nach eigener Facon.

 

Erste Bilanzen fallen indes ernüchternd aus: Die Beratung Capgemini veröffentlichte im Dezember 2017 eine Studie speziell zu Inno-Labs und beleuchtete deren Entwicklung und Wert für Unternehmen. 1.700 Mitarbeiter in 340 Organisationen wurden dazu befragt, mit dem Ergebnis: Zwar investieren Unternehmen in Innovationszentren, werden aber dadurch insgesamt nicht innovativer. Die angeführten Gründe: Kaum unternehmensweite einheitliche Innovationskulturen; hinderliche interne Prozesse; Führungskräfte mit anderen Mindsets. Das Ganze liest sich wie aus dem Lehrbuch für ökonomische Zukunftsforschung.

 

Wie kommt das?

 

Die Erklärung ist – aus unserer Sicht – simpel. Kaum ein/e Unternehmerin / Unternehmer in Deutschland, die oder der nicht eine betriebswirtschaftliche oder kaufmännische Ausbildung durchlaufen hätte; wobei man lernt (und verinnerlicht), wie eine Wirtschaftsorganisation gewinnorientiert zu führen ist. Wie man jedoch auch abseits einer womöglich gut funktionierenden Einstiegsidee für ein Produkt oder eine Dienstleistung künftiges Wirtschaftshandeln unter den sich jeweils gegenwärtig abzeichnenden neuen Entwicklungen antezipiert, lernt man nirgendwo. Mit dem Resultat: Falls man es irgendwo doch einmal zufällig hört oder erzählt bekommt, steht es in diametralem Gegensatz zu den erlernten Prinzipien. (Und löst daher fast automatisch Abwehrreaktionen aus.)

 

Was macht also die innovationsgeneigte Unternehmerin stattdessen? Sie kopiert andere Mindsets (was sich neudeutsch als Benchmarking verkaufen lässt). Ganz oben auf dem Treppchen derzeit: die Rezepturen diverser ‚erfahrener’ Investoren oder Startups-in-Kette-Gründer aus dem Silicon Valley. Hier das Rezept-Manual – mit gerade mal fünf essentiellen to do’s:

 

  1. Duz-Pflicht und Krawattenverbot einführen (die ganz Mutigen tragen Jeans)
  2. Inno-Lab auf die grüne Wiese stellen
  3. Am Geschäftsmodell basteln
  4. Mit Startups kollaborieren – oder gleich aufkaufen
  5. Irgendeine agile Methode machen (SCRUM, Design Thinking oder whatever. Den neuesten Hype gibt’s auf jedem Trend-Kongress.)

 

That´s all, folks! Viel Spaß dabei – nur anschließend nicht über die mageren Ergebnisse schimpfen. Zwar gilt: Niemand kann etwas für unsere kulturell vereinseitigte unternehmerische Grundausbildung in Europa. Die wird sich so schnell auch nicht ändern, selbst wenn es irgendwann einmal digitale Bildung in Schulen geben wird – das ist nicht der springende Punkt.

 

Aber: Jeder kann seinen Kopf einschalten. Dass sich innovatives Denken nicht à la Kuchenrezept nachbacken lässt, sollte jedem durchschnittlichen Zweibeiner eigentlich klar sein. Innovationsführer haben nicht das tollste Inno-Lab, die historisch längste Duz-Pflicht und die meisten Aufkäufe an Startups zu verzeichnen. Stattdessen haben sie ein eigenes, nicht-kopierbares Verständnis von ihrem unternehmerischen Handeln. Von dem, wer sie sind; was sie tun; und was sich daraus für – beinahe zwingend-logische – Möglichkeiten ergeben, diese Kernkompetenz ‚einfach’ weiterzuentwickeln. (Selbstverständlich: Einfach ist das eben nur, wenn man die eigene identitäre Achse kennt.) Unternehmen freilich, die über keine Führungskräfte verfügen, sondern über Manager (die das identitätsbildende Selbstverständnis ihrer Wirtschaftsorganisation zumeist gar nicht formulieren können), nutzt auch kein Inno-Lab. Reine Geldverschwendung.