We don’t need no … McFuture

Die Label-Manie der Zukunftsforscher

 

Die Tatsache, dass in einer von Komplexität geprägten Welt Regieren und Steuern schwierig geworden ist, gilt inzwischen als Binse. Trotzdem: Mit extra-ordinärem Label geadelt, wird eine solche, im Grunde banale Aus-sage zur ‚Breaking News’. Hat sie aber auch einen Mehrwert?

 

 

Hätten Sie’s gewusst – beziehungsweise: schon gehört?

 

Labelling kann man lernen

Man nehme zwei oder drei ‚Hot Spots’, die zeitgeistig-medial in der öffentlichen Kommunikation dauergepostet werden. Isoliere deren stärkste Silben (Prä- oder Suffixe). Und kombiniere diese ohne Angst vor beziehungs-weise Rücksicht auf Sinn- und Verstandesverluste. Fertig ist die Civilization Alpha.


Eine wahrhaft neue (Sprach-) Kultur – und ‚Win-win-Situation’, jedenfalls für die Kommunikatoren. Denn was dabei herauskommt, klingt zumindest neu und lässt sich immer wieder umformulieren. Und selbst wenn der schöpferische Geist einmal ins Straucheln geraten sollte – also (horxible dictu) Communicasms produzierte, Abgründe sinnfreier Kommunikationswüsten: Egal. Denn an der nächsten Ecke wartet schon die noch neuere Trend-Spielmarke. Hinter’m Horizont geht’s bekanntlich weiter.

 

 

Verhaltensökonomik lässt grüßen

Da niemand so genau weiß, was sich hinter den kryptischen Chiffren verbirgt, kann jeder seine Fantasien selbst hinein projizieren. So findet das Ungewisse der Zukunft Zugang zur Sprache, zu Begrifflichkeit – und auf diesem Weg zu unserem Denken: Das ist das Ziel. Zwar erhält man auf Nachfragen, was das alles bedeuten soll, keine Antworten, aber zukunftssouverän ist, wer die Chiffren beherrscht. Sage mir, wie du labelst, und ich sage dir, was Du – aufgrund Deiner Sub-Texte – im Schilde führst. So einfach geht Zukunft-Machen.

 

Wer’s nicht selber kann oder will, bezahlt eben dafür. Das Prinzip jedenfalls ist simpel und das Gleiche wie bei der Namensfindung von Unternehmensmarken besonders ‚abstrakter’ Branchen wie Pharma oder Energie (Lanxess, Uniper, Eon und viele Schöne mehr). In der Zukunftsindustrie haben sich seit Jahren Agenturen etabliert, die solche Trends kreieren. Anfangs in angelsächsischen Ländern (da diese Technik im Englischen unbestritten besser funktioniert als im präzisen Deutschen), mittlerweile aber überall auf der Welt – begeisterte Nachahmer gibt’s zuhauf. „Foresight“-Produkte ganz eigener Art und Würde.

 

Aber warum auch nicht? Auch in unserer Branche muss es McFaith-Angebote für Zukunftsgläubige geben. Korrekt gelabelt: McFuture eben.