Start ups: The Next Generation

In Deutschland wird spätestens seit der „digitalen Revolution“ intensiv darüber diskutiert, ob der Staat Gründer nicht stärker fördern sollte (ganz abgesehen von regionalen Gründerszenen beziehungsweise Regionalisie-rungsstrategien). Vorbilder sind nicht mehr nur das kalifornische Silicon Valley, sondern auch die New Yorker „Silicon Alley“ oder das israelische „Silicon Wadi“ rund um Tel Aviv. Lernkurve: Gründergeist ist machbar, Herr Nachbar – und hängt maßgeblich von den strukturellen Rahmenbedingungen ab.

 

Ach ja? Zukunftsforscherisch geht es längst nicht mehr ums Kopieren und regionale Clusterbildung, sondern um den dahinter liegenden unternehmerischen Anspruch: Für Start-ups der Zukunft ist die Welt längst nicht mehr genug.

 

Innovationen hervorbringen? Den Standort stärken? Plattform-Kapitalismus ausbauen? Das war gestern. Die nächste Generation von Jungunternehmern weiß es besser und denkt weiter. Sie wandelt in den Fußstapfen derjenigen, die sich zu Alleinherrschern ihrer Märkte aufschwingen, mit „Moonshoots“ den Weg zum Mars ebnen und sich damit eine langfristige ökonomische Monopolstellung sichern wollen (zum Beispiel: eine Kommunikationstechnologie erfinden, die für die Entfernung zwischen Erde und Mars taugt).

 

Die Überzeugung der neuen Gründer: Auf der Erde lässt es sich nur noch technisch optimieren. Wirklich Neues findet man nur im outer space. Entrepreneurship goes extraterrestrial. Und da solches Unternehmertum nicht von selbst entsteht, gibt es – ganz US-amerikanisch – bereits eine Stiftung, die Anschubfinanzierungen leistet. Über die X Prize Foundation werden Projekte gefördert, die mit Erd-Jenseitigem zu tun haben.

 

Rover NASA

Quelle: Nasa (www.nasa.gov)

Zunächst hatte man den Eindruck, die Menschheit habe das Interesse am Erdtrabanten verloren. Das geht nun gar nicht. Eine zeitlang drehte sich alles darum, einen Rover auf dem Mond zu platzieren, mit diesem 500 Meter weit zu fahren und Bilder beziehungsweise Daten zur Erde zu übermitteln. Inzwischen soll der Wettbewerb jedoch explizit Unterneh-mertum im All fördern. Die Moonshot-Idee wird ausgerollt und zum unternehmerischen Prinzip normalisiert.

 

Die kalifornische Herausforderung lautet also nicht: Mehr Gründer, sondern: Welche Gründer?

 

Je länger Europa seine ökonomische Zukunftsorientierung verstolpert, umso größer wird die Kluft. Und zwar nicht nur in Sachen Visionen, sondern auch in Sachen realer ökonomischer Erfolge.