Zwischenbilanz I: Wie haben wir #C bisher verkraftet?

Teil I / III Oberflächenpolitur

Vergleichsweise lief die Pandemie-Bewältigung in Deutschland bisher ganz gut (Memo: Wir schreiben hier nicht über Versorgungsengpässe und Organisation, sondern über Menschenführung). Wir sind findig geworden, geistig-emotional die Stimmung stabil zu halten. Da sich die technische Seite dieser Strategie stetig und rasant entwickelt – sowohl, was die Erfassung von Stimmungslagen, als auch medizinisch-therapeutischen Optionen (Zulassung von Impfstoffen) betrifft – könnte es sein, dass die Bilanz schnell und einfach zusammengefasst ist. Und dass die Entwicklungsrichtung in der Pandemie bzw. aus ihr heraus leidlich positiv beschreibbar ist; im Grunde sind sich darin alle weitgehend einig. Wenn also vereint an diesem Strang gezogen wird: Ist das etwa falsch? Oder wirkungslos, ohne Erfolg? Oder wollen die Menschen das etwa nicht?

Alle drei Fragen lassen sich auf solidem Fundament mit „Nein“ beantworten. Hinzu kommt eine ältere, optimistisch stimmende Lektion: Einer der Pioniere der modernen Resilienzforschung, Charles Fritz, hat – mit vielen anderen – immer wieder hervorgehoben, dass große Katastrophen eine verblüffend gesunde mentale Verfassung des betroffenen Kollektivs hervorrufen. In solchen Zeiten entstehen „Leidensgemeinschaften“. Soziale Unterschiede verdampfen, im Elend sind alle gleich, und das tröstet und macht Mut. Krise einerseits und ein stärker werdendes Zugehörigkeitsgefühl andererseits gehören eng zusammen. Woraus wir lernen und verstehen können, warum so viele Meinungsbildner in der Öffentlichkeit genau das nutzen, die „guten“ Seiten von #C betonen. Dieser Mechanismus wird aktiv verstärkt, so wird geführt. „Den anderen geht’s auch so, wir sitzen alle in einem Boot“, oder: „Endlich wieder Zeit für sich“, oder: „Man kommt mal zum Nachdenken, ohne #C kaum möglich “ sind Erfahrungen, die wir sonst nicht hätten machen können. „Nehmt das wahr, nutzt es! Macht etwas daraus!“ Das ist der Sound der Stunde.  »Krise als Chance«, DAS Narrativ zur Pandemie.  Ein unheimlicher Zwitter aus psychologischer Wahrheit (tatsächlich rücken Menschen dann seelisch zusammen) und sozialtechnologischer Regierungskunst (mentales Framing). Wenn beides effektiv ineinandergreift, profitieren wir.

Zwischenfazit I

Wir geben mental wieder Gas, starten durch – egal, was genau war, und auch, wenn wir nun überdies noch eine dritte Welle überstehen müssen. Auch die geht vorbei. Aus dieser Kondition, dem Stillhalten und Verharren im Stuck State, ergeben sich Sinn und Bedeutung dann wieder ganz von selbst; so funktioniert die aktuelle Oberflächenpolitur. Sie hat bloß eine Kehrseite. Und genauso, wie diese Seite dunkel ist, sind ihre emotionalen Effekte potenziell abgründig: Denn zwar wird sich die Mehrheit nach der Pandemie schnell wieder erholen (dafür spricht alle Sozialforschung). Wie sich die nachdenkliche Ruhephase jedoch auf die biografische Selbstbewertung auswirkt, etwa, was Beruf und nun schon länger unterdrückte Selbstverwirklichungswünsche betrifft; auf emotionale Valenzen, unsere geistige Spannkraft, Dick- oder Dünnhäutertum usw., weiß derzeit niemand. Und genau hier liegen Handlungsfelder in Unternehmen. Um auf eine gesunde, biologisch authentische Weise nach dieser Zeit wieder Gas geben zu können, bedarf es ein paar Voraussetzungen, und im Gegensatz zur Öffentlichkeit können Führungskräfte die eigenmächtig herstellen.

Next Sensegiving: Optimismus und Gas-Geben sind Pflicht in unserer Gesellschaft und als solche nicht falsch. Aber sind sie dem, was vorgefallen ist, und für die Menschen, denen die Krise viel zugemutet hat, auch angemessen? Und was bedeutet das für die Firmen?

Deep Futures on the way

#C Bedeutung geben

Zum Sensegiving-Blog

Informationen zum Anmeldeverfahren, Versanddienstleister (europäisch), statistische Auswertung und Widerruf unter Datenschutz. Durch die Anmeldung erklären Sie sich mit der statistischen Erfassung Ihrer Daten einverstanden. Zum Impressum