Über die Unschärfe zwischen Purpose und Religion

Während der Pandemie gab es immer mal wieder Situationen, in denen jemandem, der oder die Verantwortung trug, der Homo oeconomicus abhanden kam. Ein besonders schöner Moment betraf Markus Söder. In einer Talkshow mit Anne Will sagte er:

„Ich habe vor Weihnachten Riesensorgen gehabt, wie es weitergehen wird. Wie entwickeln wir uns? Wird es ein ganz trostloses Jahr? Ich war manchmal am Rande der Verzweiflung. (…) Ich habe auch gebetet in der Zeit.“

Darüber kann man natürlich Spott und Häme ausgießen (was ausgiebig erfolgte), nicht nur aufgrund der strategischen Wirkungskalkulation solcher Worte beim christlichen Wahlvolk. Wie dem auch sei, wir kennen Herrn Söders Motive nicht: Ist solches Wort heute noch zeitgemäß? Darf man das, ohne sich lächerlich zu machen? Unsere säkularen Medien sind seit Jahren in trautem Konsens darüber vereint, dass Religion und Glaube „intime“ Themen seien. Sie haben offenbar in der Öffentlichkeit nichts verloren, und wenn man entsprechende Fragen stellt, gilt, sich am besten gleich prophylaktisch dafür zu entschuldigen. So also geht zeitgeistiger Tabubruch: Während Corona ließen sich in manch populärem Blog etwa Berichte von jungen Frauen bestaunen, die sich Sorgen über ihre Masturbationsquote in der Pandemie machten, oder von anderen, die neuartige mutige Experimente der sexuellen Kontaktaufnahme während eines verhängten Kontaktverbots anstellten. Der Gipfel moderner Intimität und sozialer Tabus ist heute – die Gretchenfrage. The Times They Are A-Changin’.

Wie das Fundament von »Purpose« die Debatte über ihn prägt

Für Purpose-Themen ist dieser Hintergrund interessant, denn der Radius von Purpose – das neue Interesse an Sinn – ragt weit in geistige Spektren hinein. Purpose ist irgendwie – heikel. Leicht übergriffig. Man berührt Dinge, die doch eigentlich Sache der Einzelnen sind. Soll das jetzt firmenrelevant sein?

Ein solcher Blick auf das Themenfundament der trendigen Sinnfrage erklärt eine Menge der unklaren Distanznahme, die zahlreiche Manager:innen erkennen lassen. Man fühlt sich nicht wohl dabei. Über das zu sprechen, was Menschen wirklich berührt und wichtig ist, ist hierzulande unhöflich, beschämend, unpassend.

Das lassen wir einfach mal so stehen.

Next: Ist Sinn überhaupt gefragt? Was lässt die Breite der Gesellschaft dazu erkennen?

Deep Futures on the way

#C Bedeutung geben

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