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Denken und Handeln kalifornischer Innovatoren

»Das Valley hat seine beste Zeit hinter sich

Sieht ganz so aus! Aber bedeutet das für die anderen irgendeine Erleichterung beim Innovationsdruck?

 

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Die Epoche des Toolismus

Das Valley steht seit Jahrzehnten für diejenige Region der globalen Ökonomie, die wie keine andere die Denk- und Praxismuster des unternehmerischen Innovationsmanagements revolutioniert hat. Und für was steht das betriebswirtschaftliche Verständnis von Innovation bis heute? Für die Innovations-Pipeline mit Stage Gates, Chain linked-Controlling und marketingnahen Modellen und Strategien. Zeitgeistig übersetzt: Für Scrum, Holokratie, Design-Thinking, WoL, Kanban-Boards, Unternehmensdemokratie und Agilität. Falsch ist das nicht. Bloß: Hat es etwas zu tun mit dem, was die kalifornische Ökonomie (be)treibt?


Ja. Es macht aus einem anderen Weltbild einfach »Tools«!

Ist das nun schlecht? Auch das Valley nutzt »Tools«, zahlreiche sogar! Es gibt jedoch einen fundamentalem Unterschied zum europäischen Toolismus: Die Kalifornier haben einen Schritt in Richtung Komplexitätsbewältigung gemacht, den Europa bisher verweigert. Ein Tool ist ein Mittel, und ein Mittel dient einem Zweck. Scrum oder agiles Arbeiten, Agilität generell, sind kein Selbstzweck. Sie dienen zu etwas. Und dieses Etwas ist in Kalifornien kein Datenkranz aus dem Controlling (KPI), sondern der gestaltungsintensive, einkalkuliert-langfristige Erfolg einer Outside-in-Innovation.Sie meint das Gegenteil von Trend-Orientierung, Scannen und Monitoren - nämlich das Setzen einer Nutzen-Idee aus der eigenen Organisation heraus.

Das nebenstehende Zitat aus den frühen Apple-Tagen ist in Europa bis heute eines der am wenigsten verstandenen Aperçus aus dem Valley.

Hört auf, eure Kunden zu fragen. Die wissen doch gar nicht, was sie wollen - ihr müsst es ihnen zeigen!

Steve Jobs


Zukunftsforscherische Zugriffe auf Zukunft - wie die aus dem Valley - sind Vorstellungsweisen, die es schaffen, das, was jeweils aktuell unter Normalität, Bekanntem und Gewohntem verstanden wird, zu übersteigen.

Dabei geht es um Antezipationen. Distanzieren sich Unternehmen vom Umgang mit unserem europäisch-eindimensionalen Denkstil aus alter Tradition: dem Glaubenssatz ‚was noch gar nicht da ist, kann man auch nicht beforschen‘, geraten sie ökonomisch in Zonen, »die noch nie zuvor ein Mensch gesehen hat«. Die Amerikaner nennen sie »disruptiv«. Neben den üblichen Benchmarks des Valley können das aber auch andere - auch deutsche Firmen. Nur muss man sie bis heute mit der Lupe suchen.
Apple Voith


»Ökologie X.0« Keynote

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Zugriff auf Zukunft von Apple 

Bis heute ist die Zeit unter Steve Jobs das Paradebeispiel für diesen Mechanismus: für einen - innovationsmethodisch wie führungstechnisch - hoch elaborierten, neuartigen Zugriff auf Zukunft. Die seinerzeit als ästhetische Revolution, auch in Sachen Usability, wahrgenommene Idee von Personalcomputern als technologischem Sinnangebot - inklusive ‚vom Künstler‘ in jedem Gerät signierter Festplatte sowie einem spirituell aufgeladenen Marketing, das eine neue süße Frucht bzw. die nächste Vertreibung aus einem schlecht oder untertechnologisiertem Paradies feilbot - ist einzigartig. Apple-Produkte luden über viele Jahre ein zu einer Konversion: zum Übertritt des Kunden in eine neue Welt. (Dass sich dieser Spirit heute weitgehend verloren hat, zeigt auf, wie extrem eng solches Unternehmertum an individuell-subjektiven Ideen und Überzeugungen hängt; an der rigorosen und kompromisslosen Ausrichtung der gesamten Wirtschaftsorganisation an ihnen.)

Zugriff auf Zukunft von Voith

Der Maschinenbauer aus Heidenheim, Weltmarkt-Akteur, hat das Selbstverständnis der eigenen Branche für sich (!) umjustiert und das, was das Unternehmen unter „Spitzentechnik“ versteht, neu definiert. Die Überlegung: Wenn die Firma in den sogenannten ‚Emerging Markets‘ mitspielen will, gelten Qualitätsstandards, Gütekriterien, Bedürfnisbestimmungen und Kundenorientierungen der Emerging Markets - und nicht der jahrzehntelang selbstreferenziell vor sich hin gewachsenen deutschen, an Perfektionismus, bestem Material, höchster Qualität und Produkt-Langlebigkeit orientierten Ingenieurskultur. „Beste Produkte“ begeistern uns, aber beispielsweise keine Inder, die mit schlechten Straßen, ständig zusammenbrechenden Stromnetzen und unvergleichlich geringen Budgets zurecht kommen müssen.

Die Zukunftswahrnehmung: Statt Weltmarktführer in Sachen Qualität und Perfektion innerhalb ‚der‘ globalen Ökonomie werden zu wollen (logischer Unsinn / blinder Fleck), will man künftig in den vielen bunten und von ganz unterschiedlichen Entwicklungsniveaus aufstrebenden Ökonomien der Exportweltmeister sein (-> Lektüre). Das ist Future Perception: Best-in-class-Qualität zu bemessen am relevanten ökonomischen Kontext, also an dem Relevanzverständnis des Kunden, nicht an der universalistischen, angestaubten BWL-Definition aus dem International-Management-Lehrbuch.