[Preconomics]

Forschung & Kosmologie

Futures in Wissenschaft, Militär & Marketing

In welchen Gesellschaftsbereichen sind Ergebnisse und Wirkungen angewandter ökonomischer Zukunftsforschung überhaupt wahrnehmbar? 

In Europa beispielsweise innerhalb der Forschung - allerdings weniger passioniert als etwa in Kalifornien. Das „Cyberneum“ auf dem Campus des Max-Plack-Instituts für biologische Kybernetik in Tübingen ist ein Beispiel dafür. In mehreren High-Tech-Laboren im Innern dieses Stahlmonsters erforschen Wissenschaftler die menschliche Wahrnehmung - mittels künstlicher Welten. Ausnahmsweise geht es hier jedoch einmal nicht (zumindest nicht direkt), wie bei unseren kalifornischen Freunden, um virtuelle Realität, monströse Helme oder Handschuhe; sondern darum herauszubekommen, was Menschen in der Schwerelosigkeit oder bei unbekannten Gravitationsverhältnissen empfinden. So haben die Baden-Württemberger einen Seil-Roboter entwickelt, dessen Plattform sich per Knopfdruck in atemberaubender Geschwindigkeit durch eine Halle bewegt. Hauptsächlich steht dabei der Gleichgewichtssinn im Fokus, etwa um Medikamente für Drehschwindel oder industrielle Anwendungen zu entwickeln, beispielsweise um solche Plattformen als eine Art Außenaufzug zu nutzen und damit Flugzeuge zu lackieren.


Zum Vergleich: Forschung in den USA

Der US-amerikanische militärisch-industrielle Komplex ist in Sachen Planung der ersten Marsmission erstaunlich weit - und präzise. Die ersten Jahrhunderte der Expansion sind konzeptionell im Detail definiert: Vor allem will man die Atmosphäre ändern. Ein extrem langfristiges Projekt mit bescheidenem Fokus auf die ersten 1000 Jahre, damit überhaupt irgendwann einmal Menschen ohne Atemgeräte auf der Marsoberfläche herumlaufen können.


Illustration (ohne Kommentierung):
Stefan Morrell/National Geographic Creative


Kalifornien ist das bisher einzige ökonomische Cluster, das forciert zukunftsforscherisch ausgerichtet ist - und dies bereits seit Jahrzehnten. Allerdings steht das Valley erst seit ca. zwanzig Jahren im Zentrum der Öffentlichkeit; und zwar nicht wegen seines zukunftsforscherischen Profils, sondern aufgrund des ökonomischen Erfolgs. Fragt man Wirtschaftsexperten nach den Gründen für diesen Erfolg, werden zumeist genannt: Gute Strategiearbeit, Ausnutzung der Macht von IT und Algorithmen ("Disruptionen"), kluge Geschäftsmodelle, rigides kernkompetenzorientiertes Management - und natürlich eine auf viele Schultern verteilte Finanzierung von Grundlagenforschung.

Zwar ist das nicht falsch, aber doch nicht die Pointe: die zentrale gefühlte Pointe, welche die Faszination dieser Unternehmen für den Rest der Welt ausmacht. Man kommt ihr näher, wenn man die Innovationsfluchtpunkte beobachtet, die diese Unternehmen im Sinn haben und auch freimütig ausweisen: Gründung eines Habitats auf dem Mars, Eroberung des Sonnensystems, Warenlieferungen möglichst „sofort“, nachdem der Wunsch aufkommt (Drohnen), Beseitigung von Krebs, Lebensverlängerung auf 200 Jahre usw. Für europäische Verhältnisse exzentrisch.

Hier ein Beispiel der NASA, die eng mit Valley-Unternehmen kooperiert (ebenso wie das Pentagon): Eine touristische "Frühbucher-Aktion" für die ganz Trendigen. 'Melden Sie sich schon heute an, wenn Sie zu den ersten gehören wollen, die ihren Fuß auf Kepler 186f setzen...!' Sogar Marketing, lange bevor es das „Produkt“ überhaupt gibt. Überdies ins Blaue hinein - denn es bleibt offen, ob es dieses „Produkt“ (Reise zu den neu entdeckten Kepler-Planeten) jemals geben wird. (Quelle: Courtesy NASA/JPL-Caltech)



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