Geschäftszweck: Ideell etwas unternehmen

Kühn Denken auf Vorrat ist ein Research Enterprise der wissenschaftlichen Zukunftsforschung. In anderen Teilen der Welt ist so etwas üblich (Forschung unternehmerisch zu betreiben), in Europa nicht. Wir: Rainer Kühn und Friederike Müller-Friemauth, ein verheiratetes Zukunftsforscher-Ehepaar, das noch Zukunftswerkstätten von Ossip K. Flechtheit am Berliner OSI (FU Berlin) erlebt hat, organisieren uns als strategisch geordnete Grenzüberschreitung in unbekanntes mentales Terrain.  Unternehmertum beinhaltet für uns das Erzielen immer auch geistiger Geländegewinne.  Wir stehen damit inmitten der deutschen ökonomischen Traditionslinie.

Wenn alte Gewissheiten nicht mehr gelten, muss man auch ideell etwas unternehmen. Wir experimentieren mit der Hingabe an eine noch recht junge Idee von der Welt – nämlich Probleme nicht nur durch Nachdenken, sondern ebenso professionell und systematisch durch Vordenken bearbeiten zu können. Und dies mit ökonomischem Schwerpunkt. Unser Verständnis von Unternehmertum ist zuvorderst geistige Produktion und erst in zweiter Linie betriebswirtschaftliche Profession. Unsere Quellen und Netzwerke liegen im pazifischen Raum, wo eine Soziokultur ganz eigener Ordnung heranwächst.

Unser unternehmerischer Anspruch ist ein Moonshot. Fachlich gilt solches Unternehmertum als nicht satisfaktionsfähig. Jedenfalls in der alten Welt. Unser Glück ist, dass dieses Prinzip im Westen der USA bereits seit Jahrzehnten erprobt wird. Und die Erfolge prägen die globale Ökonomie – so schlecht kann es also nicht sein. Bloß sind wir nicht die Amis. Wir betreiben Zukunftsforschung für europäische Verhältnisse.

Die zukunftsforscherische Grundüberzeugung basiert auf wenigen Prinzipien. Diese sind – für das europäische Weltbild – allerdings kontraintuitiv.

  • Die Zukunft wird anders sein als das Heute. (Bisher galt die gegenteilige Annahme. Wir haben die Richtschnur, Zukunft aus dem Gegebenen – »Daten« – linear nach vorn zu erschließen, also abzuleiten.)
  • Zukunft ist das, was Menschen nicht wissen können. (Achtung, Logik: An diesem Prinzip ändern Big Data, KI und Quantencomputer auch nichts.)
  • Was künftig möglich ist, kann bereits heute hinreichend beschrieben werden. (Nämlich im Modus eines systematisierenden »what if«, was-wäre-wenn.)
  • Lieber vage richtig, als präzise falsch liegen. Heißt: Zukunftsforschung ist ziemlich gut in Sachen Relevanz, eher schlecht bei Präzision (also wann genau etwas eintritt). Deshalb ante-zipieren wir und prognostizieren nicht.
  • Aus dem, was künftig möglich ist, und was wir schon heute hinreichend beschreiben können, lassen sich evolutionär Vorteile ziehen. (Diese Erkenntnis nutzen Unternehmen, die Corporate Foresight betreiben, etwa seit den 1970er Jahren.)
  • Wissenschaftliche Zukunftsforschung ist „Evaluation of Newness“ (leider gibt es im Deutschen kein Äquivalent zu diesem Begriff). Die Irritation: Wie kann man etwas bearbeiten oder bewältigen, das bisher noch niemand erlebt oder gesehen hat, zu dem niemand befragt werden kann? M. a. W.: Was können wir tun, wenn die Welt zunehmend weniger kalkulierbar: immer mehr ‚VUCA‘ wird (volatil, ungewiss, komplex, ambiguös / mehrdeutig)? Denn gute Entscheidungen treffen müssen wir trotzdem.