Unternehmenszweck: Von vorne zurückdenken

Kühn Denken auf Vorrat ist ein research enterprise der wissenschaftlichen Zukunftsforschung – im Netzwerk. Wir organisieren uns als strategisch geordnete Grenzüberschreitung in unbekanntes mentales Terrain. Unternehmertum beinhaltet für uns das Erzielen auch geistiger Geländegewinne.

Wenn alte Gewissheiten nicht mehr gelten, muss man eben auch ideell etwas unternehmen. Wir experimentieren mit der Hingabe an eine noch recht junge Idee von der Welt – nämlich Probleme nicht nur durch Nachdenken, sondern ebenso professionell und systematisch durch Vordenken bearbeiten zu können. Und dies innerhalb einer ökonomischen Struktur. Unser Verständnis von Unternehmertum ist eher Lebensform als betrieswirtschaftliche Disziplin.

Unser unternehmerischer Anspruch ist ein Moonshot. Fachlich gilt solches Unternehmertum als nicht satisfaktionsfähig. Jedenfalls in der alten Welt. Unser Glück ist, dass dieses Prinzip im Westen der USA bereits seit Jahrzehnten erprobt wird. Und derzeit dominieren die Erfolge die globale Ökonomie. So schlecht kann es also nicht sein.

Die zukunftsforscherische Grundüberzeugung basiert auf wenigen Prinzipien. Diese sind – für europäische Sinne – allerdings kontraintuitiv.

  • Die Zukunft wird anders sein als das Heute. (Bisher galt die gegenteilige Annahme. Sowie die Richtschnur, Zukunft aus dem Gegebenen – Daten – linear nach vorn zu erschließen.)
  • Zukunft ist das, was Menschen nicht wissen können. (An diesem Prinzip ändern Big Data, KI und – bald – Quantencomputer nicht das Geringste.)
  • Was künftig möglich ist, kann bereits heute hinreichend beschrieben werden. (Nämlich im Modus eines systematisierenden was-wäre-wenn.)
  • Aus dem, was künftig möglich ist, und was wir schon heute hinreichend beschreiben können, lassen sich evolutionär Vorteile ziehen. (Diese Erkenntnis nutzen Unternehmen, die Corporate Foresight betreiben, bereits seit Jahrzehnten.)
  • Wissenschaftliche Zukunftsforschung ist „Evaluation of Newness“ (leider gibt es im Deutschen kein Äquivalent zu diesem Begriff). Wie kann man etwas bearbeiten oder bewältigen, das bisher noch niemand erlebt oder gesehen hat, und zu dem daher auch niemand befragt werden kann? M. a. W.: Was können wir tun, wenn die Welt zunehmend weniger kalkulierbar: immer mehr ‚VUCA‘ wird (volatil, ungewiss, komplex, ambiguös / mehrdeutig)?